Windstärke 17

geschrieben von Caroline Wahl

Band 2/2

DUMONT Verlag

464 Seiten

Softcover 24,00 €
Paperback 14,00 €
eBook 18,99 €

Erschienen am 15. Mai 2024

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5 Sterne

Inhaltsangabe

Ida hat nichts bei sich außer dem alten, verschrammten Hartschalenkoffer ihrer Mutter, ein paar Lieblingsklamotten und ihrem MacBook, als sie ihr Zuhause verlässt. Es ist wahrscheinlich ein Abschied für immer von der Kleinstadt, in der sie ihr ganzes bisheriges Leben verbracht hat. Im Abschiednehmen ist Ida richtig schlecht; sie hat es vor zwei Monaten nicht einmal auf die Beerdigung ihrer Mutter geschafft. Am Bahnhof sucht sie sich den Zug aus, der am weitesten wegfährt – auf keinen Fall will sie zu ihrer Schwester Tilda nach Hamburg –, und landet auf Rügen. Ohne Plan, nur mit einem großen Klumpen aus Wut, Trauer und Schuld im Bauch, streift sie über die Ostseeinsel. Und trifft schließlich auf Knut, den örtlichen Kneipenbesitzer, und seine Frau Marianne, die Ida kurzerhand bei sich aufnehmen. Zu dritt frühstücken sie jeden Morgen Aufbackbrötchen, den Tag verbringt Ida dann mit Marianne, sie walken gemeinsam durch den Wald oder spielen Skip-Bo, abends arbeitet Ida mit Knut in der »Robbe«. Und sie lernt Leif kennen, der ähnlich versehrt ist wie sie. Auf einmal ist alles ein bisschen leichter, erträglicher in Idas Leben. Bis ihre Welt kurz darauf wieder aus den Angeln gehoben wird.

(Quelle: Verlag)

Gedanken zum Buch

In diesem Buch begleiten wir den zweiten Teil einer berührenden, miteinander verwobenen Geschichte. Der erste Band dieser Dilogie, „22 Bahnen“, erzählt von Tilda, einer Studentin, die nebenbei im Supermarkt arbeitet. Sie und ihre kleine Schwester Ida leben in einer Kleinstadt mit ihrer alleinerziehenden, alkoholkranken Mutter.

Im zweiten Teil steht nun Ida im Fokus, die mittlerweile älter geworden ist und durch eine spontane Entscheidung auf Rügen landet. Ihre Welt scheint aus den Fugen zu geraten: Sie hadert mit Schuldgefühlen, weil sie ihre Mutter nicht „retten“ konnte, und auch das Verhältnis zu ihrer Schwester ist angespannt.

Um über die Runden zu kommen, findet Ida auf Rügen einen Job in einer Bar, die Knut und seine Frau Marianne betreiben. Durch einen unschönen Zufall wird sie in das Zuhause des Paares aufgenommen. Zum ersten Mal in ihrem Leben erfährt Ida, was eine intakte Familie ausmacht – gemeinsam essen, einander respektieren und achten. Auch Leif, ein junger Mann, dem Ida begegnet, weckt in ihr Gefühle, die sie bisher nicht kannte und die sie vor ein Rätsel stellen.

Ida hat ihre traumatische Kindheit noch längst nicht verarbeitet und steht nun zwischen neuen Erfahrungen, die sowohl Schönes als auch Schmerzhaftes mit sich bringen. Angesichts dessen frägt sie sich: Soll sie bleiben oder gehen?

Die Geschichte thematisiert schwerwiegende, tiefgreifende Herausforderungen, die sich wie ein Schatten über Idas Leben legen. Trotz ihrer harten Kindheit sucht sie immer wieder nach den schönen Momenten in ihrer Erinnerung, und wir Leser begleiten sie dabei, wie sie das Neue zu erfassen versucht, während ihre Gedanken oft noch in der Vergangenheit verweilen. Dieser innere Konflikt ist allgegenwärtig und keineswegs leicht zu ertragen. Als Leserin – möglicherweise auch durch eigene Erfahrungen – hatte ich oft einen Kloß im Hals, denn die Autorin schafft es, die Gefühle eines Kindes alkoholkranker Eltern auf eine Weise darzustellen, die erschütternd real und detailgenau ist.

Mehr als einmal musste ich dieses relativ dünne Buch zur Seite legen, tief durchatmen und innehalten. Die Emotionen, Handlungen und Gedanken sind ergreifend und authentisch geschildert. Besonders als Tildas kleine Schwester erlebt Ida die Situation anders, mit weniger Kontrolle, während Tilda als ältere Schwester die Verantwortung tragen musste. Auch Idas langsame, aber spürbare Entwicklung ist einfühlsam und überzeugend beschrieben.

Für mich, als selbst Betroffene, ist diese Geschichte mehr als nur eine Geschichte – sie ist ein Abbild einer Realität, die so viele Menschen kennen und die für viele auch heute noch allgegenwärtig ist.

Danke, Caroline, für diese eindringliche Erzählung.

Viel Spaß beim Lesen!